Eine Konversion

675749_original_R_by_Alwin-Gasser_pixelio.de_Gott war fern. Unendlich fern. In dieser Nacht, der kürzesten des Jahres, die wir hatten feiern wollen, und die doch so einsam endete. Halb nackt kniete ich auf dem Berg, wo es so oft stürmte, aber nun kein Lüftlein wehte. Alles war so still. Continue reading “Eine Konversion”

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Vom Unwichtigsein

Als ich jünger war, da war ich wichtig. Nicht, dass ich mich wichtig fühlte, ganz im Gegenteil. Doch ich störte mich an meiner Unwichtigkeit. Ich meinte, jemand sein zu müssen. Ich meinte, einen Sinn finden zu müssen.

Ich erzählte mir Geschichten, die mir die Welt passend machen sollten. Ich dachte, ich müsse jemand sein, ich dachte, ich müsse eine Geschichte leben, einen Traum oder eine Leidenschaft, ich dachte, ich müsse etwas tun, ich dachte, ich müsse eine Meinung haben, ich dachte, mein Leben müsse bedeutend sein.

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Er war schon immer da…

IMG_4295Er war schon immer da.

Er ist ein altes Lied, das durch die Wälder hallt. Er ist eine Geschichte, die sich immer neu erzählt. Er ist ein Horner und ein Brüller und ein wilder Mann, ein Zers der übergeht. Er ist ist das Schweigen des Nebels und das Flüstern des Regens. Er ist ein Geiger und ein Senn, ein Jäger zuvorderst auf der Fluh. Manchen schreckt er, manchen führt er irr. Seinen ist er Hüter, Warner – von unbändiger Macht, von erdiger, felsiger, schäumender Kraft. Ihm ist das Land, ihm sind die Tiere, ihm die Milch.

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Dem Gott des gehörnten Berggipfels – das Frühlingsfest der Kalash

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Foto: Wikipedia

O lord god, god of the horned mountain peak! O suchis and elves, O angels! Eat your share of our offerings. This is your yearly event. This is your memorial. For health, for prosperity … for long life, keep away evil spirits! Make them distant! For the sake of harmony … keep coldness from our hearts!
Ksam Khan

Es wird Frühling in den Tälern der Kalash. Rings um die 20 Dörfer mit ihren mehrstöckigen, mit Flachdächern bedeckten Holzhäusern spriesst das frische Grün, umgeben von Felsen, Geröllhalden und knorrigen Bäumen. Continue reading “Dem Gott des gehörnten Berggipfels – das Frühlingsfest der Kalash”

The Goddess of Kafiristan

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Mountains have always been a nightmare for anyone trying to establish central power. This is especially true for Nuristan, a province in eastern Afghanistan, deep in the rugged mountains of the Hindukush. Even nowadays, the region is hardly accessible to governmental or western forces. The name Nuristan, which means “land of the enlightened”, is no more than 120 years old. Continue reading “The Goddess of Kafiristan”

Odins wilde Väter: Eine Spurensuche

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Bild: Kathi Horn

I. Ein Gespenst aus Luzern

In klaren Mondnächten hörte er sie singen. Nachdem er Tage alleine in seinem Turm in Bollingen zugebracht hatte, wurde der Schweizer Psychologe C.G. Jung eines Nachts von seltsamen Geräuschen geweckt. “Nachts erwachte ich an leisen Schritten, die den Turm umkreisten. Es ertönte auch eine ferne Musik, die näher und näher kam, und dann hörte ich Stimmen – Lachen und Reden. Ich dachte: Continue reading “Odins wilde Väter: Eine Spurensuche”

Um Ernte und Frieden: Die Religion Nordwesteuropas als Kult der Wesen des Landes

DSCN5341An Anfang war das Land, und das Land war wild. Der Mensch war umgeben von Wäldern und Weiten, wilden Tieren, Wettern, Sonne, Mond und Sternen. Geheimnisvollen Mächten, die sein Schicksal bestimmten und denen er nicht viel entgegenzusetzen hatte ausser drei Dinge: Das Feuer, in dessen Schein er sich sicher fühlte; das Werkzeug, mit dem er seine Umwelt meistern konnte; seine Geschichten, die ihm die Welt und sich selbst erklärten. Continue reading “Um Ernte und Frieden: Die Religion Nordwesteuropas als Kult der Wesen des Landes”

Twin Kings, Ladies in the rock, and the coming of the dead: The lost beliefs and traditions of Haslital

1873b.0In the 18th and 19th century, scholars such as Hegel were fascinated and impressed by the remote valley of Oberhasli. The valley, situated at the origin of the Aare river, seemed pristine and remote. What caught Hegels attention was the language: The german of the locals seemed closer to the Nibelungenlied than to contemporary german literature. Not only did they use a very archaic vocabulary, also the pronounciation, melody and grammar of the language was very close to middle high german. Continue reading “Twin Kings, Ladies in the rock, and the coming of the dead: The lost beliefs and traditions of Haslital”

Heimisch werden

17796686_10154273487301933_3589143367891356184_nSeit eineinhalb Jahren habe ich einen neuen Wohnort. Auf der anderen Seite des Landes. Man spricht hier anders, bewegt sich etwas langsamer, man merkt das. Ich tat mich erst etwas schwer an diesem neuen Ort, wollte nicht recht heimisch werden. Doch wie wird man das überhaupt? Vielleicht, in dem man die Natur und die Landschaft um sich herum erst einmal kennenlernt. Continue reading “Heimisch werden”